Bitte versorgen sie zunächst das Marderchen wie auf der Seite Erste Hilfe / Notfall Baby & Jungtier beschrieben.

Der Versuch einer Rückführung zur Mutter sollte bedacht werden: Rückführung zur Mutter

Rassespezifische Bestimmungen finden sie hier: Übersicht von Marder, Fuchs, Eichhörnchen und Co.

Die häufigsten Verwechslungen der Arten finden sie hier nochmal genauer detailiert:
Marder -> Fuchs, Iltis -> Frettchen, Hermelin -> Mauswiesel

Folgende Informationen sollten bereit stehen, bevor sie sich weitere Schritte über den Verbleib des Baby’s überlegen.

Junge oder Mädchen ?

Bei Marderartigen ist das sehr einfach zu erkennen. Bei Buben ist der Penis mindestens 3 cm vom After entfernt – siehe Foto.
Bei Mädchen sind After und Geschlechtsteil sehr nah zusammen. Der Nabel ist allerdings auch weiter weg. Aber ob Nabel oder Penis ist spätestens zu merken, wenn man das Bäuchlein massiert und der Urin fließt.

Steinmarderbaby ca. 6 Wochen alt, männlich
Steinmarderbaby’s ca. 4 Wochen alt
AlterGewichtEntwicklung
Geburt28 – 34 gr12 -15 cm groß (inkl. Schwanz), blind (Augen noch zu), Haarflaum grau-weiß, Gehörgang verschlossen, Kehlzeichnung bereits zu erkennen
ab 2. Woche100 grHaarflaum bläulich, können langsam kriechen – unter Einsatz der Vorderbeine
ab 3. Woche180 grBackenzähne entwickeln sich, erster Gebrauch der Hinterbeine, Ohren gehen langsam auf – stellen sich leicht seitlich
ab 4. Woche240 gruntere Eckzähne kommen durch, Anheben des Kopfes möglich, Fortbewegung durch krabbeln
4. – 5. Woche250 – 300 grÖffnen der Augen (meist nicht gleichzeitig beide), wackeliges Stehen
5. – 6. Woche300 – 350 grGewichtsunterschiede zwischen Fähe und Rüde zeichnen sich ab, Schneidezähne brechen durch
7. Woche420 – 500 grMilchgebiss ist vollständig zu sehen, Stehen und Laufen ohne ständiges Umfallen (Einzelkinder brauchen hier oft länger), ERstes Putzen und Kratzen
8. Woche500 – 600 grErste Kletterversuche
10. – 12. Woche700 gr ………..Wechsel der Eckzähne
11. Woche… und …Gewicht Rüde ca. 800 Gramm, Fähe ca. 600 Gramm
16. Woche… mehrSelbständiger Beutefang, permanentes Gebiss ausgebildet, volle Größe erreicht

Wichtiger Hinweis zur Altersbestimmung

Hier möchten wir darauf hinweisen, dass die Tabelle zur Altersbestimmung natürlich nur von Durchschnittswerten ausgeht und auf den Daten von Marderchen basiert, die von Hand aufgezogen wurden.
So sind Flaschenkinder in der Regel etwas schwerer, je früher sie in Menschenhand gekommen sind und mitunter dauern die einzelnen Entwicklungsschritte länger, als dies in der Natur der Fall ist.
Dies trifft besonders bei Einzelkindern zu, da hier der Anreiz zur Nachahmung der Mardermutter bzw. das spielerische Erlernen durch Raufen und Balgen mit den Geschwisterchen fehlt.
Je länger also ein Junges von seiner echten Mardermama versorgt wurde, desto größer können die Abweichungen sein.
Daher ist es unumgänglich, neben dem Gewicht auch den Stand der Entwicklung im Bezug auf Augen, Zähne, Bewegungsabläufe, Farbe und Konsistenz des Kots usw. zu berücksichtigen, um eine halbwegs genaue Bestimmung des Alters zu ermöglichen.
Besonders wichtig ist dies bei der Entscheidung, ob noch Aufzuchtsmilch oder bereits festes Futter gegeben werden soll.

Behalten oder abgeben ?

Ist das Baby erstmal mit dem Nötigsten versorgt, sollten weitere Überlegungen angestellt werden.

Haben Sie die Möglichkeit den oder die Marder selbst aufzuziehen ? Das kostet viel Zeit, Nerven und auch Geld.
Die Kosten für die gesamte Pflege, Futter usw. werden von keiner Organisation übernommen und sind komplett selbst zu tragen.

Marder sind nicht wie viele andere Wildtiere großzuziehen. Natürlich hat jede Wildtierart seine speziellen Besonderheiten in der Aufzucht.
Bei den Marderartigen kommen jedoch noch erschwerte Umstände dazu.

1. Die Beliebtheit der Marder (vorallem Steinmarder) ist nicht besonders groß. Eine Auswilderung direkt am Wohnort ist deshalb sogut wie unmöglich. Bedenken sie die Reaktion ihrer Nachbarn – „Um Himmels Willen … das Auto … !!!“ Den passenden Auswilderungsplatz zu finden ist da oft nicht leicht. Stark befahrene Straßen, Autobahnen, uvm. Auch abgeklärt sollte sein, ob Bauernhöfe in ihrer Nähe Marderfallen aufstellen, Rattengift auslegen oder angrenzende Jagdreviere von Jägern zum Problem werden können. Es gibt sogenannte Hobby-Trapper, die Marder zum Spaß in Fallen locken und töten.
2. Der Zeitaufwand und der finanzielle Aufwand ist deutlich höher. Es müssen immer mehrere Jungtiere zusammen aufgezogen werden. Die Auswilderung findet erst ab Juli/August statt und dauert nochmal mehrere Wochen bis Monate.

Bitte überlegen Sie alles wirklich gut ! Eine halbherzige Aufzucht verursacht nur Leid und Schmerz bei Tier und Mensch.

Bitte niemals irgendwo aussetzen. Steinmarder sind sehr ortsbezogen. Ab August sind sie zwar selbständig, aber sie müssen ihre Gegend kennen um sich zurecht zu finden und die Reviersuche erfolgreich zu gestalten. Ab der 8. Woche sollten die Kleinen an die Umgebung gewöhnt werden, in der sie später ausgewildert werden sollen. Also nicht erst wochenlang im Garten laufen lassen und dann im Wald aussetzen – sie werden sich nicht mehr zurechtfinden

Möglichkeit 1 – Selber machen: Sie haben alles gut durchdacht und sich entschieden die Aufzucht und die Auswilderung selbst zu machen. Seien sie sich sicher: Es gibt schlaflose Nächte, viele Tränen und die Sicherheit, dass die Marder nicht wie eine Katze ein Leben lang bei Ihnen bleiben. Für immer behalten ist also tabu ! (das Gehege müsste schon ca. 3000 qm groß sein um den Marder zum Bleiben zu bewegen und selbst da gäbe es keine Garantie, dass er das unbeschadet verkraftet – in der Natur ist das Revier eines Rüden ca. 80 Hektar in Dorfnähe und bis zu 200 Hektar in Waldnähe / Fähen haben etwas weniger). Ideal zum auswildern ist eine Gruppe ab mind. drei, vier oder sogar bis 6 Marder. Einzelkinder sollten nicht einfach ausgewildert werden – sie haben riesige Probleme mit Kämpfen, Jagen und Gefahren erkennen. Marder bis zur 14. Woche kann man ohne Probleme zusammen gewöhnen – je eher desto besser. Also, wenn sie für ihr Einzelkind einen zweiten suchen, einfach bei den Wildtierstationen nachfragen – die freuen sich sicher, wenn sie ihnen einen abnehmen. Hier finden sie weitere Infos über das „Problem Einzelkind„.

Möglichkeit 2 – Abgeben : Das ist auch nicht so leicht, da es nicht so viele Menschen gibt, die freiwillig eine solche Aufgabe übernehmen. Am besten fragen Sie bei Ihren umliegenden Wildtierauffangstationen und Wildtierhilfen nach. Falls sie das Tier auf keinen Fall versorgen möchten, können sie im Notfall auch bei ihrer örtlichen Tierhilfe nachfragen. In der Regel nehmen Tierheime keine Wildtiere auf.
Hier finden sie eine Auflistung nach PLZ sortiert, zu den meisten Anlaufstellen die Wildtiere aufnehmen: Wildtierauffangstationen in Deutschland Leider kennen wir nicht alle Stationen persönlich. Bitte informieren sie sich ob und wie die Marderchen dort versorgt werden.

Möglichkeit 3: Sie übernehmen die Milchzeit und wenn die Kleinen futterfest sind, geben sie sie in spezielle Einrichtungen zur weiteren Aufzucht und späteren Auswilderung ab. Sie sollten sich jedoch früh genug melden, da viele der Plätze schnell belegt sind. Spätestens ab der 8. Woche sollte ihr Marderchen in einer Gruppe integriert sein.
Bis dahin sollte es aber mindestens mit einem weiteren etwa gleichaltrigen Artgenossen zusammen sein, sodass die Milchzeit wenigstens zu Zweit verbracht wird, denn auch in dieser sensiblen Entwicklungsphase ist arteigene Gesellschaft enorm wichtig. So artgerecht wie möglich bedeutet eben auch dass Marder immer mit Artgenossen aufwachsen. Wir helfen gerne bei der Zusammenführung einsamer Marderwelpen.

Da die Wildtierhilfen um diese Jahreszeit alle Hände voll zu tun haben, können sie oft nur Jungtiere aufnehmen, die nicht mehr an der Flasche hängen. Falls möglich können sie die Jungmarder persönlich dort hinbringen. Wenn das zeitlich oder aufgrund der Entfernung nicht geht, gibt es hierfür weitere Möglichkeiten.

Transport

Bei kleineren Marderchen konnten wir inzwischen gute Erfahrungen mit Mitfahrzentralen machen.
Dort kann man zu einem günstigen Preis und kurzer Fahrzeit einen Transport des Marderchens organisieren.
Da der gewerbliche Tiertransport keine Marderartigen transportiert, ist diese private Mitfahrgelegenheit zumindest eine Alternative.
Noch ein Vorteil ist die direkte Fahrt zum Ziel (oft wenige Stunden).
Es sollte natürlich unbedingt abgeklärt werden, ob der Fahrer eine grundsätzliche Abneigung gegen Marder hat.
Die Kosten und die Überprüfung des Fahrers liegt natürlich bei dem der das Tierchen auf die Reise schickt.
Zumindest gibt es diese Alternative, welche im Notfall durchaus interessant sein kann.

Ein Versuch über Facebook ist auch möglich. z.B. in der Gruppe „Hilfe für Mardernotfälle