Erste Hilfe / Erwachsen

Erste Hilfe für Erwachsene & Unfallmarder (Gilt für alle Marderartigen !)

 

Sie haben einen verletzten/kranken Marder gefunden !

Bedenken Sie bitte, daß das Wildtier, das Sie vor sich haben unter Streß steht. Dieser Streß ist nicht zu unterschätzen – mit den letzten Kräften kann auch ein schwer verletztes Tier noch beißen.
Deshalb bitte immer vorsichtig sein !

 

 

  1. Schützen Sie sich selbst: Lederhandschuhe, Decke, Handtuch. Zur Not auch nur eine Jacke mit der Sie ihre Hände vor Bissen schützen.
  2. Aus der Gefahrenzone weg ! Bei Tieren die sie auf der Straße finden bitte alles ordnungsgemäß absichern. Es nutzt niemanden wenn sie oder das Tier angefahren werden.
  3. Tier festsetzen: Idealerweise eine Katzentransportbox, aber auch eine Kiste, Karton, oder eine Decke die man verknoten kann. Leider bekomme ich viele Anrufe, bei denen das Tier dann nicht mehr auffindbar ist. Verletzte Marder verkriechen sich oder rennen in Panik mit letzten Kräften weg !
  4. Tier versorgen: Sichere Box herrichten, Deckchen oder Handtücher rein. Eine kleine Schüssel Wasser dazu. Marder umsetzen und ruhig, dunkel bei Zimmertemperatur stellen
  5. Nun können Sie an weitere Hilfe denken ! Tierarzt oder Wildtierhilfe ! Wildtierstationen finden sie unter: Wildtierstationen Deutschland
Hier eine Übersicht an Ursachen und der Ersten Hilfe dazu:
Autounfall

Beinbrüche,
Schädelhirntrauma / Gehirnerschütterung

Brüche müssen vom Tierarzt versorgt werden.
Offene Brüche können sich gefährlich entzünden -> unbehandelt ist das der Tod für das Tier.
Knochen die schief zusammenwachsen bedeuten meist eine schlechte Prognose -> zum jagen und kämpfen müssen alles Beine funktionieren.
Schädelhirntrauma / Gehirnerschütterung ->
kann 2 extreme Ausgänge haben.
Mal ganz einfach erklärt: Falls sich im Kopf ein Blutgerinnsel durch den Unfall anstaut oder andere innere Verletzungen zu starken Blutungen führen, kann meist nichts mehr für das Tier getan werden. Der Tierarzt wird dann zu einer Euthanasie (Einschläfern) raten.
Wir hatten allerdings bereits sehr oft Fälle bei denen sich eine einfache Gehirnerschütterung wieder fast von selbst reguliert. Da so ein Versuch von mehreren Kriterien abhängt, möchte ich hier keine pauschale Vorgehensweise angeben. Bitte versorgen sie das Tier wie oben angegeben und rufen uns dann gerne an. Ein Versuch ist es immer wert !
Anderes Tier / Katze

Bissverletzungen,
blutende Wunden,

Bissverletzungen sind immer kritisch. Sowohl Katzen, Ratten oder andere Wildtiere haben viele Bakterien an den Zähnen die sehr schnell zur Infektion führen. Ein Reinigen der Wunde und Antibiotika ist deshalb fast immer nötig.

Kopfverletzungen durch Bisse: Hier ist ein Röntgenbild nötig. Es können Augennerven oder Schädelknochen erwischt worden sein. So können die Bakterien ungehindert zum Gehirn vordringen. Bitte Tierarzt anschauen lassen.

Katzenbiss bei Wiesel/Hermelin -> siehe Seite ganz unten

Blutungen: frisches Blut aus Mund oder Nase deutet auf Schädelverletzung und muss vom Tierarzt behandelt werden.
Ist die Blutmenge winzig und bereits gestoppt, waren oft nur kleine Blutgefäße verletzt und es ist nicht mehr ganz so akut. Bitte beobachten !

Verhaltensauffällig

Apatisch,
kommt in Menschennähe,

fehlende Angst

Marder die sich ohne Fluchtverhalten von Menschen sehen lassen, sind ganz sicher nicht ok !!! Die Möglichkeiten der Probleme sind jedoch vielfältig. Ein bereits apatisches Tier kämpft meist schon länger um sein Leben. Abmagerung zeigt ebenfalls dass es nicht jagen konnte.

Tollwut: Früher hätte man da gerne auf Tollwut getippt. Seit 2008 gilt Deutschland jedoch offiziell als frei von klassischer Tollwut.

Staupe: Eine für den Marder gefährlichste Krankheit ist die Staupe. Der Staupevirus hat eine Inkubation von 3-7 Tagen und bringt den Marder dann sehr schnell zu Fall. Deshalb findet man diese Tiere eher selten. Sie verkriechen sich und sterben innerhalb weniger Tage. Heilung ist nahezu ausgeschlossen. Falls ein Marder diesen Virus tatsächlich überlebt, hat er bleibende Schäden die ein Leben in Freiheit unmöglich machen. Ansteckung gäbe es nur bei Hunden – aber die sind in der Regel gegen Staupe geimpft.

Weitere Ursachen: Verletzungen, vergebliche Reviersuche, zu früh ausgewilderte Marder, Handaufzuchten (im speziellen Einzelkinder), schlechtes Immunsystem, Parasiten uvm. Aber egal was es ist, das Tierchen benötigt ihre Hilfe. Also erstmal wie oben beschrieben Punkt 1-5 erledigen, dann weitersehn.

Optisch auffällig

Humpelt,
wenig oder schlechtes Fell,

Zecken usw.

Bewegungsapperat: Kann das Tier kaum oder garnicht laufen kann es einen Unfall erlitten haben. Dann bitte oben unter Autounfall weiterlesen.

Räude: Räudemilben verursachen Fellausfall und damit kahle Stellen. Die Räude ist sehr gut behandelbar. Sollte aber vor der Behandlung mit der chemischen Keule auch diagnostiziert sein. Bitte nie auf purem Verdacht Behandeln. Die Vorgehensweise bei der Räudebehandlung finden sie hier: Parasiten

Zecken, Flöhe usw.: Diese Parasiten verbreiten sich nur auf Tieren die nicht so ganz fit sind. Und hier sprechen wir nicht von ein paar Zecken oder Flöhen ! Bitte also wie oben beschrieben Punkt 1-5 beachten. Dann erstmal diagnostizieren was los ist. Parasiten wie hier beschrieben behandlen: Parasiten

Madenbefall Maden sofort absammeln !!

Maden in den Ohren: Die Öffnungen mit einer alkoholhaltigen Lösung betreufeln (max. 2 Tropfen auf 1 ml Wasser)- bitte nicht in die Augen bringen – darauf kommen die Maden aus den Ohren gekrochen und man kann sie absammeln.
Maden die in Körperöffnungen gelangen, können Schäden mit Todesfolge anrichten. Die Haut mit Kamilletee oder Rivanol reinigen.
Bei extremen Madenbefall kann vom Tierarzt verdünntes Dectomax gesprüht werden (Dectomax-Injektion verdünnt mit NACL 1:30 )
Falls der Madenbefall aufgrund einer darunterliegenden Verletzung ausgelöst wurde, muss der Tierarzt aufgesucht werden.

Spezialfall:

Verletzungen durch Katzen bei Mauswiesel und Hermelin:

Gelegentlich erwischen Hauskatzen ein Mauswiesel und bringen es nach Hause. In seltenen Fällen ist das Tierchen komplett unverletzt und erholt sich schnell wieder. Leider sind die Zähne der Katzen extrem mit Bakterien behaftet und der kleinste Zahnkratzer führt zur Infektion. Das bedeutet in 90 % der Fälle den Tod des Wiesels. Antibiotika vom Tierarzt wäre ansich schon erfolgversprechend aber: Der Streß beim Tierarzt und die Spritze können bereits  zum Streßtod führen. Ist dann die Dosierung nicht 100% perfekt wird das dem Tierchen das Ende bereiten. Außerdem spielt uns die Zeit einen Streich. Die Infektion durch die Bakterien verbreitet sich sehr schnell im Körper. Meist stirbt ein verletztes Mauswiesel innerhalb 24 Stunden – oft schon früher. In einigen Fällen haben folgende Antibiotikas geholfen: Cotrim (eher bei kleineren Verletzungen oder Kratzern) und Baytrill (bei tieferen Wunden). Besprechen sie die dosierung und die Streßarme Behandung mit ihrem Tierarzt ab.

Weiterer Tipp: Wiesel in eine ausbruchsichere Box setzen. Etwas Wasser und Katzennassfutter reinstellen. Die Box Dunkel und bei Zimmertemperatur stellen.  Ruhe und Dunkelheit braucht es nach dem Schock dringend ! Unsere Mauswieselexpertin Andrea empfiehlt lediglich den Versuch mit Homöopathie: Je 1 Globuli Phosphorus D200 und Arsenicum album C200 in ein paar Tropfen Wasser auflösen und mit Spritze (natürlich ohne Nadel) in Mäulchen tropfen. Wenn es dann trotzdem stirbt, geht es meist eingerollt, schlafend hinüber – ohne großes Getöse. Oft fressen sie kurz vorher sogar noch etwas.
Überlebt es die 24 Stunden, kann man noch einen Tag dranhängen um sicherzugehen dass es Fit ist. Dann in der Nähe des Fundortes bei Dämmerung rauslassen. Es hat hier sein Revier und somit seine Wohnung in der Nähe. Gerade vor dem Winter wäre es schwierig noch irgendwo anders ein Schlafquartier zu finden. Die Gefahr wieder einer Katze zum Opfer zu werden ist nun auch deutlich geringer. Wieselchen lernt ja auch dazu !

Medikamente & Heilmittel: 

Ohne genaue Diagnose sollte man keine Medikamente geben. Das kann sonst genau falsche Auswirkungen haben.
Hier mal eine Übersicht an möglichen Mitteln:
Ätherische Öle: Lavendel beruhigt – dazu ein paar Tropfen auf ein Tuch geben und ins Zimmer legen (nicht direkt zum Tier).
Bachblüten: Rescue/AcuteHelp/Notfallmischung – darf immer gegeben werden. Aber vorsicht bei alkoholischen Lösungen. Besser sind Globuli oder Mischungen die auch für Babys genommen werden dürfen.
Homöopathie: In den meisten Fällen kann sofort Arnika D6 eingesetzt werden. Bei einem erwachsenen Marder dann am besten 2 Globuli in etwas Wasser lösen und ins Maul geben. Bei allen Arten von Brüchen darf Arnika C30 und Hypericum C30 gegeben werden. Bei Schädelhirntrauma dürfen es sogar noch höhere Potenzen sein (bis C1000).
Schmerzmittel (Metacam) – nimmt den ersten Schmerz. Das ist aber manchmal nicht unbedingt von Vorteil, zumal das Tier dann den kaputen Körperteil einsetzt anstatt ihn zu schonen (z.B. gebrochenes Beinchen, Kieferbruch usw).
Antibiotika: Kann zum falschen Zweck angewandt auch zum Nachteil werden. Antibiose sollte immer mit dem Tierarzt abgesprochen werden.
Cremes und Salben: Nur nach entsprechender Diagnose anwenden. Oft müssen Wunden erst gereinigt werden bevor man sie zur Heilung anregt. Es gibt verschiedene Wundstadien die alle auf andere Weise behandelt werden sollten.

Wie geht es nun weiter mit dem verletzten Wildtier ?

Generell sollten sie ohne entsprechendes Fachwissen keine Wildtiere selbst behandeln. Nehmen sie bitte nach der Ersten Hilfe immer Kontakt mit einer Wildtierstation auf. Rufen sie uns an – wir nennen ihnen eine nächstgelegende Stelle zu der sie das Tier bringen können. Falls sie es jedoch selbst behandeln können und der Zustand es erlaubt, begleiten wir sie auch dabei.

Wenn sie zum Tierarzt gehen, zeigen sie ihm unsere Infos für Tierärzte. Die meisten sind froh um Tipps bzgl. der spezifischen Marderbehandlungen.

Wir drücken die Daumen und sagen schon mal Danke dass Sie sich um den Marder kümmern. Alles Gute und gute Besserung 🙂