Blindheit bei Marderartigen

Achtung !
Marderkinder entwickeln das Räumliche Sehen deutlich später als beispielsweise Katzenkinder oder Hundewelpen. Immer wieder wird ein Marderkind als vermeintlich Blind diagnostiziert, obwohl es einfach eine langsamere Entwicklung durchschreitet. Also bitte im Zweifelsfall eine Mardererfahrene Wildtierstation zu Rate ziehen und dem Kleinen noch etwas Zeit geben.

Ursachen der Blindheit: Es handelt sich hierbei um mehrere verschiedene Arten von UrsachenIris und Pupille eines Steinmarders

Davon abgesehen hatten wir bereits große Erfolge "vermeintlich Blinde" Marder zu heilen. Gute Chancen dafür bestehen, wenn die Marder eine mangelbedingte Schlechtsichtigkeit ausweisen. Symptome dafür:

  • graue bzw. trübe Pupille - siehe Foto
  • Pupille zieht sich normal zusammen wenn angeleuchtet wird
  • Taschenlampenlicht erzeugt keine oder geringe Reflektion

Bei angeborener und absoluter Blindheit ist oft kein Unterscheid zu normalen Augen zu erkennen. Es gibt also nie einen 100%-igen Indiz für eine Blindheit.

Blindheit von Handaufzuchten:

Hierin liegt die Ursache mit höchster Wahrscheinlichkeit an der Ernährung durch ungeeignete Aufzucht-Milch. Weitere Informationen dazu siehe Milchsorten - Vergleich und Folgen.

Wir konnten hier immer wieder feststellen dass auch die Fellbeschaffenheit in allen diesen Fällen nicht in Ordnung war. Zum einen hatten die Tiere immer sehr helles , fast silbriges Fell im Gegensatz zu gesunden Marderkindern, die ein dunkelbraunes fast schwarzes Fell haben. Und zum anderen , war das Fell meistens sehr kurz und sehr dünn. Wir hatten sogar schon einige fast nackte Tiere. Oft waren die Tiere auch sehr unterernährt und fast rachitisch und zurückgeblieben.

Für ein normales Fellwachstum benötigen die Babys Calcium . Wir analysierten hier die verschiedenen Milchsorten, normale Kuhmilch, Ziegenmilch, Gimpet Aufzuchtsmilch und Royal Canin Aufzuchtsmilch und auch noch andere Sorten. Die Inhaltsstoffe stellten wir Muttermilch von Katzen gegenüber, da wir denken diese ist der Muttermilch der Marder am ähnlichsten . Ergebnis dieser Gegenüberstellung war, dass die Kuhmilch und auch Ziegenmilch nur ca. 110 mg / Ca enthält und die Katzenmuttermilch ca 250 mg. Also über das Doppelte. Die Milchpulver unterschieden sich im Ca- Gehalt nicht groß von einander, jedoch wird der Gesamttagesbedarf nur erreicht wenn ein Mischungsverhältnis von 2 Teilen Wasser zu 1 Teil Pulver gegeben ist.

Bei den ganz Kleinen ist hier jedoch auf absolute Genauigkeit zu achten um den Verdauungstrakt nicht zu überfordern. Das Mischungsverhältniss ist bei diversen Milchsorten unterschiedlich.

Es ist jedoch nicht nur Ca Gehalt in der Milch ausschlaggebend sondern auch die Verwertungsfähigkeit des Körpers. Hierzu brauchen Babys (und nicht nur Säuger) Taurin in ausreichender Menge. Die Muttermilch von Menschenbaby enthält z.B. 50 mg Taurin. Taurin beeinflusst unter anderem die Calcium-Konzentration im Auge. Diese ist für die Ausbildung des Rezeptorpotenzials verantwortlich, das den Sehvorgang gewährleistet.

Dies bedeutes dass auch genügend Taurin in der Milch sein sollte , da ansonsten das Ca. nicht fürs Auge verwertbar ist.

Auch hierauf haben wir die Zusammensetzungen analysiert. Leider enthalten manche Milchpuler die für eine Aufzucht geeignet sein sollen, kein oder nur sehr wenig Taurin, Hierzu gehören : Essbilac und Beaphar. Bei Kuh und Ziegenmilch ist der Gehalt von 4 – 5 mg leider viel zu gering.

Für Menschenbabys z. B. gibt es eine Babymilch „Bambinchen „ auf Ziegenmilchbasis. Jedoch wurde auch hier Taurin zugefügt. Dies zeigt deutlich dass reine Ziegenmilch und dazu noch pasteurisiert, leider auch nicht für die Aufzucht geeignet ist. Es gibt eine Untersuchung , die besagt, dass sogar Zicklein , die mit Pasteurisierter Ziegenmilch gefüttert worden sind, nach ca. 6 Monaten verstarben.

Wir vermuten dass die Unterschiede der Milch, den Verdauungsorganen der Babys zu Grunde liegen. Fleischfresser, zu denen auch die Marder gehören, haben komplett anders beschaffene Verdauungsorgane als z. B. die Wiederkäuer mit ihren Pansenmägen. Bei Mardern sind die Därme viel kürzer und ergo auch die Verdauungszeit der Nahrung. Hier sollte die Milch gehaltvoller sein, als die Milch von Pflanzenfresser.

Auf Grund dieser Erkenntnis empfehlen wir ausschließlich zur Aufzucht von Marderbabys Gimpet oder Royal Canin Aufzuchtsmilch. Bei anderen Sorten ist zu prüfen ob diese Taurin und Calcium in ausreichender Menge enthalten. Bitte hier keine Experimente anstellen - es geht um ein Leben !

Blindheit bei Mardern die erst später in Menschenhand kamen:

Diese Fällen unterscheiden sich deutlich von den o.g. durch die Fellbeschaffenheit. Wir hatten noch keine blinden Jungmarder, die erst nach dem Abstillen zu uns kamen, welche Fellprobleme hatten. Alle waren mit einem dunklen dichten Pelz ausgestattet, daher nehmen wir an, dass die Blindheit nichts mit Ca oder Taurin Mangel zu tun hat.

Was evtl. auf einen kleinen Ca. Mangel hinweisen könnte, wäre die oft auftretende Doppelzahnung der Findlinge. Bei der Doppelzahnung wird die Wurzel des Milchzahnes oftmals nicht richtig aufgelöst auf Grund von einem leichten Ca-Mangel oder einer Verteilerstörung und daher kann dieser nicht ausfallen.

Ein Ca. Mangel von diesem Ausmass ist aber nicht wirklich tiefgreifend auf andere Organe und behebt sich in der Natur recht schnell selber durch das Fressen von Beutetiere . Die Grundlagen der Ernährung ( richtiger Gehalt an Taurin ) waren hier wohl gegeben ansonsten wäre die Fellbeschaffenheit dieser Tiere auch nicht in Ordnung gewesen. Hier vermuten wir wohl eher die Umweltbelastung oder die Schädigung durch Spritzmittel über die Beutetiere. Es waren in allen Fällen auch keine äußerlichen Verletzungen sichtbar.

Hier stehen aber noch bei einigen Marder Augenuntersuchungen bei Spezialisten an, die uns Aufschluss geben, ob die Blindheit wie bei manchen Katarakt-Arten , stoffwechselbedingt oder angeboren ist.

Funktionen von Taurin

- Bildung von Gallensalzen durch Konjugation mit Gallensäuren in der Leber. Konjugate ermöglichen Resorption von Lipiden und fettlöslichen Vitaminen. Durch Taurinmangel verdickt die Galle und Gallestauungen (Cholestasen) sind oftmals die Folge.

- Aufrechterhaltung der Retinafunktion: Taurin beeinflusst die Calcium-Konzentration im Auge. Diese ist für die Ausbildung des Rezeptorpotenzials verantwortlich, das den Sehvorgang gewährleistet.

- Inhibitorischer Neurotransmitter: Taurin erhöht die Permeabilität für Chloridionen und führt dadurch zu einer Hyperpolarisierung der Synapsenmembran. Damit hemmt es das Aktionspotenzial und letztlich die Reizübertragung im Zentralen Nervensystem.

- Regulation der Calcium-Homöostase im Herzen mit Einfluss auf Aktionspotenzial; wirkt antiarrhythmisch; positiv und negativ inotrop.

 

Blindheit durch Epilepsie:

Seit Frühjahr 2010 befindet sich ein Marderrüde mit Elilepsie in der Obhut eines Marderhilfsnetzmitgliedes. Die Gründe für die Epilepsie sind uns noch nicht ausreichend bekannt. Selbst verschiedene Diagnosen (Röntgen, CT, Blutanalyse, Kot- und Urinanalysen) haben keinen genauen Befund ergeben. Warum ich diesen Fall hier erwähne, liegt daran, dass dieser Rüde nach den Anfällen systematisch Blind ist. Die Blindheit hat sich nach den ersten Anfällen jedochlangsam wieder verloren und ist erst wieder nach dem nächsten Anfall aufgetreten. Kurz und gut: Epileptische Anfälle können zu einer vorübergehenden Blindheit führen. Solch ein Fall wird hoffentlich sehr selten bleiben, deshalb werde ich es hier nicht weiter vertiefen.

Blindheit nach Unfall:

Ebenfalls im Frühjahr 2010 wurde ein Marderbaby bei einer unserer Zweigstellen aufgenommen, das wir nach wenigen Tagen als absolut Blind einstufen mußten. Selbst die Augenärztliche Untersuchung mit Spezialgeräten konnte dies bestätigen. Da nicht geklärt werden konnte, was dem Kleinen wiederfahren ist, mußten wir von einem Unfall bzw. Sturz ausgehen. Möglicherweise ist das Baby auf den Kopf gefallen, wodurch sich Schwellungen hinter den Augen gebildet haben. Das Marderchen war mehrere Wochen absolut Blind. Auch nach 2 Monaten ergab sich keine Besserung und wir mußten uns auf eine Gehegehaltung einstellen.
Eine Erklärung für das darauffolgende Erlebnis können wir uns bis heute medizinisch nicht erklären. Das Marderchen erlangte innerhalb kurzer Zeit wieder das komplette Sehvermögen und konnte erfolgreich ausgewildert werden.

Hier geht es zur Geschichte von:

Buggy der blinde Steinmarder

 

 

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