Elias - Der weiße Steinmarder

Ein schneeweißer Findling

Am 21. April 2011 kam ein Anruf einer Dame aus Bayern. Sie erzählte mir, dass ihr Hund ein Steimarderbaby gefunden hat und es ihr gebracht hatte. Soweit noch keine Besonderheit - aber den folgenden Satz der Dame werde ich wohl nie vergessen - sie sagte: "... es ist aber schneeweiß..". Ich glaubte erst nicht, dass es sich tatsächlich um einen Steinmarder handelt, da uns so etwas bisher noch nie gemeldet wurde. Es hätte ein Frettchen sein können. Am gleich Tag kamen noch die Fotos.

Wir fuhren los und holten den Kleinen Weißen Kerl zu uns. Es ging ihm nicht sehr gut. Er hatte Krämpfe und schlimmen Durchfall. Ich begann sofort mit einer Akutkur der Schüsslersalze. Die erste Nacht war kritisch. Da die Kotprobe zeigte, dass er weder Kokzidien noch Giardien hatte, durfte er schnell zu den anderen Marderbabys. Aus langjähriger Erfahrung wissen wir, dass das oft die beste Medizin ist. Und so war es auch - die Akutkur und die Geborgenheit bei den anderen sorgten dafür, dass unser weißer Zwerg schnell wieder fit wurde.

mit der Gruppe ausgewachsen

Alle Anzeichen deuteten tatsächlich darauf, dass es ein Steinmarder ist. Aber zu 100 % konnten wir das erst sagen, wenn er größer wird. Unser Hauptinteresse ging jedoch nun erstmal darauf, ob es sich um Albinismus (weißes Fell und rote Augen) oder Leuzismus (Pigmentstörung aber mit normalen Augen) handelt. Als echter Albino ist dazu meist die Adrenalinproduktuion gestört, was oft dazu führt, dass diese Tiere wesentlich zahmer werden als normale Tiere. Außerdem haben Albinos in der freien Wildbahn einfach schlechtere Karten. Zum einen wird es schwer ein Revier zu finden und zum anderen würden die Damen sich später kaum mit ihm auf eine Paarung einlassen.

Elias Augen waren noch geschlossen, dehalb mußten wir geduldig abwarten, was sie dahinter verbirgt. Aber egal welche Augenfarbe sich zeigen würde, wir haben immer einen "Plan B". Sein Vorteil war, dass er von Anfang an eine liebevolle Familie an seiner Seite hatte. Zu der Gruppe gehörten 2 Mädchen und ein weiterer Bub. Später kamen noch 2 Mädchen dazu.

Elias war zu dem Zeitpunkt noch der Kleinste in der Guppe. Immerhin war er ca. 3 Wochen jünger. Als ob er das irgendwie aufholen wollte, trank er sich groß und stark. Nach kurzer Zeit hat er das kleinste der Mädchen schon auf der Waage eingeholt.

Weißes Fell

Der Name "Elias": Wie immer darf die Namen für die Rüden mein Lebensgefährte Armin aussuchen. Da kommen oft kuriose Namen raus. Aber diesmal macht alles einen Sinn. Vor kurzem waren wir bei einer Kinopremiere in München. Der Ehemann unserer Zweigstellenleiterin Austria Ruth & Gerald Salmina haben uns zu "Mount St. Elias" eingeladen. Der Film handelt von der größten Skiabfahrt der Welt - vom Berg "St. Elias" in Kanada. Unser Marderchen ist so weiß wie der Gipfel dieses Berges und genauso stark und besonders. "Elias" - ein Name der Geschichte schreibt.

Video von Eli als Baby - sein erstes Küken

Albino - Baby

Und dann war es endlich soweit - Elias öffnete die Augen.
Ich kann mich noch so genau daran erinnern, als wäre es gestern gewesen. Ein klitzekleiner Schlitz war an einem Auge zu sehen - darunter .... ein rotes Auge !! Für kurze Zeit sind meine Hoffnungen etwas geschwunden Elias ein normales Leben zu erhoffen. Würde er nun sein Leben in einem Gehege fristen müssen ?!
Nein, Pessimismus ist nicht unser Ding ! Wir setzten weitehin alles darauf Eli genauso zu behandeln wie die anderen um ihm die gleichen Chancen einzuräumen wie jedem normalem Marder.

Rote Augen eines AlbinosEr lernte laufen, springen, klettern, mampfte seine Küken und Mäuse und schließlich kämpfte er genau wie die anderen. Vom Verhalten her war er nicht von den farbigen Mardern zu unterscheiden. Bis auf einen Kleinigkeit: Elias biss mich nicht. Auch später als er schon richtig zu kämpfen gelernt hat und die anderen mich bereits ordentlich in die Finger bissen -
Eli nicht !!

Zu allem Überfluß ergab eine spätere Kotprobe noch einen Befall von Kokzidien, die wir mit Cotrim (Antibiotika), Schüsslersalzen und anschließender Darmsanierung behandeln mußten. Aber auch das haben die Marderchen tapfer weggesteckt. Vorallem bei Eli arbeiteten wir noch sehr lange mit Schüssler-Salzen um blos kein Defizit aufkommen zu lassen.

Video von Eli beim Wasserplantschen

Das hat sich voll bezahlt gemacht - Eli wurde der größte und stärkste im Rudel. Ein richtig stattlicher Rüde. In unserem Marderhaus mit angrenzendem Freigehege konnten die 6 Racker sich richtig austoben und sich auf die Auswilderung vorbereiten. Inzwischen war klar, aus Eli wird kein Gehegemarder. Er wollte mehr in seinem Leben als nur stereotyp hin- und herzulaufen. 2 der Mädchen waren noch richtige Schoßhockerinen und kletterten mir die Beine hoch wenn ich zum füttern und saubermachen ins Gehege ging. Elias wollte aber bald keinen so engen Kontakt mehr zu mir. Er war erwachsen !

Und so war für uns klar: Er darf mit der Gruppe zusammen zur Auswilderung.
Der Auswilderungsplatz stand schon lange fest. Eines der Mädchen, die zarte "Sofie" wurde uns von einem aussergewöhnlichen Förster gebracht. Dieser Förster betreibt tatsächlich "Hege und Pflege" in seinem Wald. Im Gegensatz zu vielen anderen ist er der Meinung "Ein einheimisches Wildtier gehört in unsere Wälder". Er mußte auch nicht überredet werden zu den 5 Mardern noch den weißen Elias in seinen Wald zu lassen. Seine Worte: "Ich bin für alles offen !".
Um Eli's einziges Problem irgendwie zu lösen, starteten wir einen Versuch sein weißes Fell dunkel zu färben. Wir besorgten eine rein pflanzliche dunkle Haarfarbe. Als Test trugen wir die Farbe erstmal nur auf einer kleinen Stelle auf um auch sicher zu gehen, dass keine Allergie oder Ähnliches zu Tage kommt. Die Farbe sollte Schwarz werden. Aber auf dem dichten, reinweißen Fell ergab die Farbe erstmal ein dunkles Grün. Am nächsten Tag als die Reste der Farbe abgeblättert waren, war unser Elias nun leuchtend Hellblau ! Für meinen Geschmack wunderschön, aber im Wald und bei der Marderdamenwelt vermutlich nicht besonders hilfreich. So liesen wir weitere Versuche sein.

Elias hatte eine schöne Kindheit

Inzwischen war auch eindeutig, dass Elias ein echter Steinmarder ist.

Video von Elias im Juni 2011 auf Youtube

Albino im Aufzuchtgehege

 

Seine 4 Mädchen liegen ihm zu Füßen. Mit dieser Gruppe hat er die besten Chancen - auch später in der freien Wildbahn. Sie kennen Elias nicht anders und akzeptieren ihn so wie er ist.

Video von Eli beim Geschicklichkeitstraining im Gehege

Und so näherten wir uns dem Tag X - die Auswilderung. Es wurde auch wirklich Zeit - der Bande wurde langsam langweilig - sie wollten was erleben. Streiterein und Futterneid wurden schon recht heftig.

Der 3. August 2011 war da und wir traten die mehrstündige Fahrt an. Ich muß nicht erwähnen, was dieser Tag für mich bedeutete. Schon Tage davor war ich mit den Nerven am Ende. Ist es richtig Elias in den großen Wald zu entlassen ? Wird er ein Revier finden ? Kann er überleben ? Gespräche mit Christine, Andrea und Armin verdeutlichten mir aber wieder schnell, dass seine Chancen auf ein schönes Leben im Wald besser sind als lebenslang in einem Gehege zu sitzen und zu verkümmern - was bei einem gesunden Rüden definitiv der Fall wäre.

Mir wurde wieder mal bewußt, warum wir das alles machen. Egoismus von wegen "will ich behalten" ist absolut tabu. Es geht NUR um das Tier. Wie und wo wäre mein Eli glücklich ?

Elias ist ein sehr stattlicher, mutiger und instinktsicherer Steinmarder-Rüde.

und ab in die Freiheit

Zum Auswilderungsplatz wurde das gewohnte Schlafhaus mitgenommen.

Abschied von Elias

 

Ein letzter Kuß für meinen weißen Edelstein !

Der Wald (irgendwo in Europa) ist weit weg von Straßen und Autos. In der Nähe gibt es Streuobstwiesen. In diesem Wald werden keine Marder geschossen oder anderweitig nachgestellt. Eine alte Holzhütte mit vielen kleinen Eingängen sorgt für Schutz. Die Fütterung ist solange es nötig ist gesichert. Es gibt weiterhin Küken, Obst und Mäuse - solange die Marder das brauchen.

Wo, wenn nicht dort - kann Elias mit seinem Rudel glücklich sein und seine Jugend voll geniesen ?!

Ich wünsche diesen 6 Mardern ein erfülltes Leben in der Natur. Ich werde euch nie vergessen !

2015:
Eine weiterere Fundmeldung eines weißen Marderbabys erreichte uns im Frühjahr 2015. Das Mardermädchen wurde zusammen mit zwei weiteren Geschwistern in Österreich gefunden. Leider wurde schnell deutlich, dass die kleine "Chaja" gesundheitliche Defizite hat. Im Vergleich zu ihren beiden Brüdern merkte man die langsameren Wachtumsschübe. Aber auch Zähne, Magen/Darm und weitere Organe zeigten fehlerhafte Symptome. Alle mühsamen Versuche die Kleine zu retten scheiterten - sie verstarb wenige Wochen nachdem sie gefunden wurde. Ihre beiden Brüder waren gesund und konnten erfolgreich ausgewildert werden. Foto: Die kleine Chaja mit ihren beiden großen Brüdern. Bereits in diesem Stadium war in dem kleinen weißen Körper eine Anomalie die ihr ein gesundes Leben unmöglich machte.

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