Resume 2009

Das Marderjahr 2009 ist sogut wie abgeschlossen. Mit so einem großen Andrang an Hilfesuchenden haben wir nicht gerechnet. Die turbulentesten Wochen waren von Mai bis Juni. In der Zeit stand das Telefon fast nie ruhig. Aber wir haben nicht aufgegeben und jedem Hilfesuchenden immer wieder Unterstützung und Ratschläge gegeben. Dabei haben wir viele wunderbare Menschen kennengelernt, die sich von Anfang an der Verantwortung bewußt waren. Leider auch viele, die mich sehr wütend und traurig gemacht haben ....

Ich möchte hier niemanden durch seine Fehler bei der Aufzucht blostellen, deshalb nenne ich keine Namen oder Orte. Leider dann auch die Personen nicht, die ihre Sache bewundernswert toll und gewissenhaft gemacht haben. An diese Menschen hier nochmal: Danke im Namen der Steinmarder, die bei euch aufgezogen werden durften ! Euer Lohn wird sein, dass ihr gesunde Marder wieder der Natur zuführen könnt, mit der Sicherheit: Sie haben eine zweite Chance bekommen !

Positives:

Es meldeten sich viele bereites Ende April. Bei einigen war sofort klar - sie wollen selbst ausfziehen und auch auswildern. Darunter waren teils traumhafte Auswilderungsplätze mit Hühnerhaus oder Scheune auf dem Grundstück. So können die Marders bis Ende August oder auch länger betreut werden falls es noch nötig ist. Da es oft Einzelkinder waren - was wir zum Auswildern generell nie empfehlen - konnten wir einige Zusammenführungen machen. So kamen einige Marderkinder, die zwar aufgezogen aber nicht ausgewildert werden konnten an einen Platz, wo dies möglich war.

Dazu fuhren wir mehrmals quer durch Deutschland und holten Marderbabys ab oder brachten sie woanders hin. Das Telefon glühte und die Reifen wurden abgefahren. Für nächstes Jahr haben wir schon mehrere Menschen in ganz Deutschland, die sich um die Erstversorgung kümmern können und uns mit Rat und Tat dabei helfen den Steinmardern eine zweite Chance zu geben.

Es gab auch Pflegemamas bei denen schon zwei oder mehr Marderkinder waren und die Möglichkeit zum Auswildern nicht geeignet war (enge Wohnsiedlung, unverständliche Nachbarn usw.). Dort wurde die schwierigste und zeitaufwendigste Auswilderungsart gewählt: Ab der 12. Lebenswoche tägliche Spaziergänge im Wald - über Stunden. Striktes Kontaktverbot zu Fremden Menschen - nur eine Kontaktperson. Ab ca. Mitte Juli dann auch schon Übernachtungen im Wald. Diese Methode setzt voraus, dass es sich um sehr selbstbweußte Marder handelt, die von Anfang an nicht wie Haustiere sondern wie Wildtiere behandelt wurden.

Kontakte: Durch unsere Bemühungen und die Presenz in der Marderszene konnten wir viele wertvolle Kontakte knüpfen und so unsere Erfahrungen austauschen und ergänzen. Das wird sicher wieder mehr Vorteile für die nächste Mardersaison bringen.

Schüssler-Erfolge: Wir stehen mehr denn je zu unserer Methode, mit Schüsslersalzen (in Globuli-Form) die meisten Probleme zu behandeln. Zahlreiche kleine und große Schüsslerwunder - wie ich sie gern nenne - bestätigten unsere Methode. Nur in seltenen Fällen mußten wir auf zusätzliche Medikamente greifen - was wir auch sicher tun, wenn wir sehen das es dringend nötig ist.

Negatives:

"Ach, die sind ja so süß - die behalten wir !" - diesen Satz mag ich nicht und genau bei diesen Menschen hatten wir dann auch die größten Sorgen. Die Marder wurden in der Familie und im Bekanntenkreis herumgereicht wie Kuscheltiere, gefüttert wie Kätzchen und verhätschelt wie kleine Hundewelpen. Folge: Nicht auswilderungsfähige, unglückliche Marder und verzweifelte Menschen.
Auch der Rat: Bitte füttert Küken ! wurde immer wieder nicht befolgt. Folge: Mangelerscheinungen, Krämpfe, ängstliche unsichere Marderkinder. Die Einsicht, dass man diese Tiere wohl doch nicht im Wohnzimmer halten kann kam meist mit der 12. Woche. Ab da brauchen Marder spätestens Artgenossen zum toben und Freigang zum lernen. Diese Marderchen hat ein schweres Schicksal getroffen. Zuerst verhätschelt und dann in den Wald gebracht oder in Gehege gesperrt. Ich kann nicht sagen, was ich schlimmer finde. Im Wald dem nächsten Feind zum Opfer fallen, da nie gelernt wurde wie man Feinde erkennt und sich wehrt, geschweigedenn wie man Beute fängt oder in als gesunder Marder in einem Gehege sitzend auf die ersten psychischen Störungen wartend.
Leider gibt es diese "Weiß ich besser"-Fälle immer wieder - sicher auch nächstes Jahr - Seufz ....

Hier möchte ich nochmal deutlich darauf hinweisen, das ein Marder nie nie niemals in der Wohnung gehalten werden darf. Für die, die es wieder mal nicht glauben wollen: Wartet ab, bis er zu markieren anfängt, sein Revier für sich beansprucht oder mit der Geschlechtsreife zu einem sehr bösen Raubtier mutiert. Nein, unsere kleinen süßen Marderbabys bleiben weder süß noch klein. Sie sollen als robuste, kräftige Wildtiere in der Natur glücklich werden. Das ist und bleibt das Ziel !!!

Medikamente:
Auch da gab es immer wieder welche, die es gut meinten und die Kleinen mit Medikamente versorgt haben. Antibiotika, Wurmkuren, Human-Medizin uvm. haben immer wieder zu Übersäuerung, Durchfall und körperlichen Störungen geführt, welche dann nur sehr schwer und mit hohem Zeitaufwand korrigiert werden konnten. Einige Marder haben davon solche Spätfolgen, dass sie vermutlich nicht auswilderungsfähig sein werden - hier sind wir noch am kämpfen. Sogar Homöophatische Arzneien - unüberlegt gegeben - haben zu Todesfällen geführt. Oft kam die Begründung: Bei meiner Katze hilft es aber doch auch. Hier nochmal: Der Marder ist ein Wildtier und hat einen komplett anderen Stoffwechsel als unsere Haustiere.

Unsere Aufgaben und Ziele in 2009:

  • Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht jedem zu helfen, der ein Marderkind gefunden hat, es aufziehen oder auch selbst auswildern will.
  • Wir leisteten telefonische Erst- und Notfallberatung bei Menschen, die erst mal Hilflos waren und Rat brauchten.
  • Wir vermittelten gesunde Marderkinder an Plätze, an denen auch ein Einzelkind aufgezogen wurde, da wir die Auswilderung für Einzelkinder für sehr problematisch halten.
  • Wir berieten bei gesundheitlichen Problemen von Durchfall über Mangelerscheinungen bis zu psychischen Sorgen bei der Auswilderung.
  • Wir begleiteten sie bis die Marder absolut selbständig waren und zu einem Leben in der Freiheit fähig waren.

Die interessantesten Fälle 2009:

Pferdegestüt in Sachsen:

Mitte Mai 2009 meldete sich Frau G. telefonisch bei mir. Frau G. hat ein Pferdegestüt in Sachsen. An diesem Tag fand sie ein Marderchen mitten im Gestüts-Hof. Der Hof ist gepflastert und das Kleine kann nur von dem Dachvosprung aus 6 m Höhe heruntergefallen sein. Außer ein wenig Nasenbluten fehlte dem Marderchen erstmal nichts. Wir telefonierten viel hin und her um das Kleine zu retten. Frau G. besorgte Aufzuchtmilch, hielt das Marderchen warm und machte alles um sein Leben zu retten. Frau G. konnte das Kleine aber nícht bei sich auswildern, da sie ein ganzes Rudel "Jack-Russel-Terrier" hatte. Wir organiserten sehr mühsam einen Platz und auch den Transfer dorthin. Ein paar Tage später sollte das Marderchen abgeholt werden und zu einer naheliegenden Aufzuchtstation gebracht werden. Am selben Morgen erhielt ich einen sehr schlimmen Anruf von Frau G.: Die Hunde haben sich am Morgen Zugang zur Küche verschafft und das Marderchen zerfetzt. Mir blieb die Luft stehen - ich war wie versteinert ! Das Marderchen mußte einen Sturz aus 6 m Höhe überleben um dann von den Hunden getötet zu werden. Solche Geschehnisse hauen mich immer um ! Heinzi der Weißpunktmarder

Ca. 2 Wochen später rief Frau G. wieder bei mir an. Ein zweites Marderchen lag nun am Boden auf der selben Stelle. Die Mardermami hat sich wohl den ungünstigsten Platz überhaupt ausgesucht. Auch dieses Marderchen "Heinzi" hat überlebt und diesmal konnte Frau G. es vor den Hunden schützen bis wir eingetroffen sind. "Heinzi" - siehe Foto, war ein besonderes Marderchen. Er hatte einen weißen Punkt auf der Stirn.

Da er wohl seit 2 Wochen das einzige Baby der Marderin war, war Heinzi ein besondern dicker Brocken. Heinzi ist sehr früh (eigentlich viel zu früh) von seiner Aufzuchtstation fortgegangen. Über seinen Verbleib haben wir nie etwas erfahren. Ich wünsche ihm dass er da draußen überlebt hat.

Mädchen-Population:

2009 war das Jahr der Mardermädchen. Ca. 80 % aller gefundenen Marderbabys waren Mädchen. Die Natur hat dafür sicher eine Erklärung.

"Bone" - Behinderung: Dieser Fall zeigte uns, dass wir nie nachlässig sein dürfen und auf Fotos bestehen müssen. Mit der Ersatzmami von "Bone" waren wir nur telefonsich in Kontakt. Frau W. hatte keine Möglichkeit mir Fotos per Mail zu schicken. Über mehrere Wochen waren wir in Kontakt und haben alles getan um den kleinen Bone zu retten. Frau W. und ihre ganze Familie kämpfte wie eine Löwin um Bone. Doch dann wurde der Lebenswille des Kleinen immer schwächer. Da ich hier bei mir mehr Möglichkeiten hatte (Infusion, Amynin-Unterspritzungen usw.), beschlossen wir alles zusammen, dass Frau W. Bone zu mir bringen sollte. Die Familie nahm die mehrstündige Fahrt gerne in Kauf um Bone zu helfen. Leider reichten die telefonsichen Info's nicht aus um mir vorstellen zu können in welchem Zustand Bone wirklich war. Der erste Blick auf Bone reichte um zu wissen: Er wird nicht überleben ! Das kleine Marderchen hatte einen vermutlich angeborenen Zwergenwuchs. Die Hinterbeinchen wuchsen nicht mit, ein damit einhergehender Calciummangel führte zu ständigem Durchfall und entzündetem After. Der ganze Körper war geschwächt.

Bone zeigte uns, wie liebevoll und dankbar Marderchen ihren Ersatzmamis sind. Bone hätte schon tod sein müssen, aber er durfte nicht sterben ! Seine neue Familie liebte ihn zu sehr - er konnte sie nicht verlassen. Bone verstarb bereits in der ersten Nacht - Er wollte gehen !!

"Wanti" wollte leben:
Im Frühjahr fuhren wir zu Dritt zur Wildtierstation in Soltau. Dort erhielten wir die Aufgabe ein Marderfreigehege zu bauen, was wir natürlich ehrenamtlich gerne übernahmen. Wie zu erwarten meldete sich dort gerade ein weiters Fund-Marderchen telefonsich an. Als wir die Transportbox öffneten, waren wir uns einig: Er hat kaum Chancen ! Der kleine Bub lag mehrere Tage in einem Getreidesilo. Er war ausgetrocknet, mit Zecken, Maden und Flöhen übersät und war eigentlich bereits mehr tod als lebendig. Da wir ja immer bereit sind es mit dem Tod aufzunehmen, versorgten wir den Kleinen rund um die Uhr. Bereits nach der ersten Nacht zeigte er uns seinen Willen zu leben. Sein Name kommt von: "Er will" - englisch: He want ! Also "Wanti" !!

knapp dem tod entronnen

Das ist "Wanti" nach einer 3-wöchigen Schüssler-Akutkur. Er ist inzwischen erfolgreich ausgewildert.

Wanti nach der Schüsslerkur

Marderkind "Wanti". Bereits am zweiten Tag konnte er sich wieder bewegen.

 

Marder-Oskar 2009:

Die vorbildlichste Mardermami 2009 ist Petra L. aus Bayern. Sie hat 2 Marderchen großgezogen. Auswildern war auf ihrem Grundstück in einer Wohnsiedlung nicht möglich, deshalb hat sie sich für die zeitaufwendige Waldauswilderung entschieden. Wir blieben in Kontakt bis die beiden sich in ihrem neuen Wald zurechtgefunden haben und der Abstand zu den Menschen groß genug war. Frau L. legte eine Waldauswilderung zugrunde, wie man sie sich nur Wünschen kann. Respekt für die Geduld, den Zeitaufwand und das enorme Durchhaltevermögen.

 

 

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