Resume 2010

Das Marderjahr 2010 ist endlich vorbei. "Endlich" sage ich deshalb, weil es gegen Ende der Saison immer sehr an meine Kräfte geht. Jeder einzelne Fall nimmt mich persönlich immer sehr mit. Dieses Jahr war extrem hart. Zwei Fälle haben mich 2010 besonders mitgenommen - lesen sie dazu weiter unten (Marderchen "Stinki" und "Mardermädchen in Not"). Doch wenn ich dann am Ende der Saison die vielen Erlebnisse revuepassieren lasse, stell ich immer wieder fest: "Ich muß durchhalten - für die Marder !"

Die schönsten Erlebnisse:

Das absolute Highlight in diesem Jahr war Hermelin "Feivel". Es war ein Anruf aus Kelheim: Marderbaby gefunden - ca. 6 cm lang, Augen zu, nackt !! Nach Steinmarder klang das garnicht. Wir sind sofort hingefahren und haben den Wurm abgeholt. Eine engagierte junge Frau hat das Kerlchen am Straßenrand zappeln gesehen, als die an der Bahnschranke anhalten mußte. Ein paar Meter weiter lag die tote Mama - überfahren. Schnell war klar, es ist ein Wiesel. Bereits nach wenigen Tagen färbte sich die Schwanzspitze schwarz - uiiiii ein Hermelin !!! Er war so quirlig und wuselig und bekam den Namen "Feivel". Feivel wuchs so schnell und entwickelte sich so prächtig - man kam mit dem schauen garnicht mit. Ich versuchte ihn nicht an mich zu binden. Er sollte ja später einen großen Bogen von Menschen machen. Hmmmm.... Feivel sah das anders. Als er endlich in das kleine Freigehege ziehen konnte, fand sich auch ein zweites handaufgezogenes Hermelin als Gesellschaft. Wir holten "Dolly" in Soltau ab. Die beiden verlebten wundervolle Wochen zusammen. Die auswilderung ging fast etwas zu schnell. Wie gerne hätte ich gesehen wie Feivel sein Sommerfell in ein schneeweißes Winterpelzchen tauscht. Aber Feivel war nun ein großes Hermelin und wollte die Welt erkunden. Der Zweifel nach seinem Verschwinden war groß - Hat er überlebt ? Die Gewissheit folgte nach 3 Monaten. Armin war geschäftlich im ca. 1 km entfernten Betonwerk. Am Boden lagen überall Betonsteine zum trocknen. Plötzlich sah Armin zwischen diesen Steinen in ca. 30 m Entfernung etwas hüpfen. Gewohnheitsmäsig ging er in die Hocke und schrie "Frr frrr..... Feivel !!!" Das Tierchen lief bis auf 10 Meter zu ihm hin, machte Männchen und schaute ihn an. Armin wußte sofort: Ja es ist Feivel ! Er drehte um und hüpfte wieder in Richtung Wiese. Das sind die kleinen Beweise, auf die wir Mardermamis immer hoffen.

Ich wünsche euch allen, dass ihr diese kleinen Lichtblicke auch erleben dürft.

Die schlimmsten Erlebnisse:

Dieses Jahr fällt es mir besonders schwer darüber zu schreiben. Manche Erlebnisse möchte man schnell verdrängen und vergessen. Ich hab lange überlegt, ob ich euch von "Stinki" erzählen soll. Aber gut, vielleicht hilft es mir ja damit abzuschließen, indem ich es hier schreibe.

"Stinki" - In Andenken an einen wundervollen, kleinen Marder ! :
Mitte Mai 2010 kam eine Mail von Frau H. aus Bayern: "......die Hinterbeine meines Marders sind völlig bewegungslos, haben kein Gefühl, keine Muskeln und hängen am Körper, als ob sie nicht dazu gehören. Allerdings mitwachsen tun sie schon. Beim Krabbeln zieht er sie einfach hinterher. ..... ". Weitere Informationen waren, dass das Marderchen vor mehreren Wochen in der Scheune von den Hunden aufgespührt wurde. Die Mutter konnte wohl mit einem weiteren Baby fliehen - Stinki wurde jedoch durch die Hunde in die Luft geworfen. Da Frau H. nicht so weit von mir weg wohnte, holten wir Stinki noch am gleichen Abend zu uns. Eine Ferndiagnose oder einfach nur Schüsslersalze verordnen wäre hier Quatsch gewesen. Ich verblieb mit Frau H. so, dass ich alles versuchen werde und wenn eine Entscheidung gefällt werden muß ich es mit ihr absprechen würde.
Es folgte ein Therapie-Marathon. Stinki war bis zum Bauchnabel ein lustiges Marderchen - aber der Rest war nicht lebendig. Zusammen mit einer Physiotherapeutin arbeitete ich einen Behandlungsplan aus. Täglich 3-4 mal ca. 1 Stunde Massagen der Beinchen und Muskulatur sowie Vitamin-B, Cortison, Infusionen und Schüsslersalze. Ich kämpfte Tag und Nacht um irgendein Zeichen von Bewegung zu erhalten. Telefonate mit diversen Tierärzten in ganz Deutschland und schließlich der Besuch bei einem Neurologischen Tierarzt machten mir wenig Hoffnung. Alle machten mir klar, dass eine Behandlung nur in den ersten 48 Stunden nach dem auslösenden Geschehen Erfolg gehabt hätten.
Meine Mails und Anrufe an Frau H. blieben unbeantwortet. Mir schlich sich der Gedanke ein, dass sie froh war, diese Belastung los zu sein und nichts mehr von Stinki wissen wollte. Nach 5 Tagen - meine Hoffnung war dahin, meine Nerven am Ende - startete ich einen letzten Versuch in einer Tierklinik. Die Chefin der Klinik sah Stinki an und erklärte mir sofort, dass es keine Hoffnung mehr gibt. Nun stand ich hier mit Stinki in meinem Arm ! Er sah mich an und forderte mich mit den Vorderpfoten zum spielen auf. Seine lustigen kleinen Knopfaugen sahen mich an ... mir liefen die Tränen in Bächen über die Wangen. Aufgrund meiner langen Erfahrung mit Mardern sah ich Stinki's Zukunft vor mir: Ein ausgewachsener Seinmarder, der sich mit den Vorderpfoten über den Boden schleift, die Hinterbeine am Boden blutig geschleift, der Po durch die Inkontinenz (aufgund der Lähmung) entzündet und Kotverschmiert. Selbst in Gehegehaltung könnte er niemals auf einen Ast springen oder klettern. Nach der Pupertät würde er keine menschliche Pflege in Form von Popo waschen oder eincremen mehr zulassen. Seine Psyche würde schnell in Stereotypien umschlagen, er würde sich möglicherweise sogar die eigenen Beine anfressen und die Haare ausrupfen. Wenn ich das diesem Tier zumuten würde, wäre ich ein Tierquäler und hätte meine Aufgabe" Marder zu retten" total verfehlt.
Marderchen mit defekter Wirbelsäule Ich mußte also eine Entscheidung treffen. Stinki muß erlöst werden. Nur wann ? Wann ist der richtige Zeitpunkt ? Momentan war die ganze Situation für Stinki noch ok. Er wußte ja nicht, dass seine Zukunft so besch.. aussehen würde. Sollte ich noch eine Woche warten ? Oder ein halbes Jahr ? Soll ich warten bis er seine Situation erkennt und das erste mal versucht auf den Baum zu klettern ? Aber je länger er bei mir bleibt, desto schwerer würde der Schritt werden ihn einschläfern zu lassen. Ich sah in seine Augen und mir wurde schmerzlich klar: Nein, das werde ich uns beiden nicht antun. Mir ist noch nie etwas schwerer gefallen. Ich kann mit Worten nicht beschreiben wie es mir dabei ging. Stinki bekam eine Narkose und schlief friedlich ein.
Auf der gesamten Heimfahrt mußte ich ca. 5 mal anhalten, weil ich nicht mehr aus den Augen sah. Geplagt von Zweifeln, Schuldgefühlen und dann doch der Gewißheit das richtige für das Tier entschieden zu haben machte mich fertig. Zuhause angekommen beerdigte ich Stinki und entschuldigte mich bei ihm.
Am Abend holte ich meine Mails ab - es war ja immer noch volle Mardersaison - da war sie: Eine Mail von Frau H. mit der Nachfrage wie es Stinki geht. Ich antwortete ihr und berichtete von der Entscheidung. Darauf kam eine sehr verständnissvolle Mail von wegen: ... es war richtig so und alle Gute weiterhin ....
Aber schon einen Tag danach folgten böse Mails mit Vorwürfen. Ich dachte ich wär im falschen Film. Sie wollte Stinki wieder haben, da sie der Meinung war er würde noch leben und ich würde hier nur meine Mardersammlung vergößern wollen. Auch Mails ihrer Freundinen, die der Meinung waren wir wären eine dubiose Organisation, die "wer weiß was" mit den Mardern macht. Außerdem hätte der Marder völlig gesund ausgehen und es bestand kein Grund ihn zu erlösen - er war ja lustig und hat auch gefressen und auf den Fotos hätte er ja topfit ausgesehen usw.
Das hat mir auf meine ohnehin schon kaputte Psyche den Rest gegeben. Das war das dritte mal in meinem Leben wo ich am liebsten gestorben wäre. Ich brauchte Tage um mich irgendwie zu fangen und mir ein Herz zu nehmen die Mail zu beantworten. Ich schrieb ihr detailiert, wie Stinki's Leben ausgesehen hätte und dass es keinen anderen Ausweg gab. Ich war nur noch am weinen und hatte schreckliche Angst vor weiteren Vorwürfen.
Die letzte Mail von Frau H. war dann diese:
Hallo Karin,
es tut mir leid, dass dich meine Vorwürfe so getroffen haben. Ja ich habe
mich da in etwas hinein gesteigert, aber jetzt vertraue ich dir ganz und gar
und verstehe, dass deine Entscheidung richtig war. Ich glaubte wirklich,
dass ihr mir den Stinki nur wegnehmen wolltet und mich angeschwindelt habt
und das konnte ich nicht ertragen. Entschuldige bitte.
Ich wünsche euch weiterhin alles Gute bei eurer Arbeit.
Gruß H....

Hermeline und Iltisse - Tod durch Entwurmung:
Besonders traurig waren auch 2 Fälle. Eine junge Familie aus Sachsen-Anhalt kontaktierte mich, weil sie seit einer woche 3 kleine Iltisse aufzogen. Die Kleinen haben ordentlich getrunken und zugenommen. Alles war bestens. Der Grund warum ich um Rat gebeten wurde war, dass die 3 seit einem Tag nicht mehr trinken wollten. Wir starteten sofort mit einer Akutkur. Noch kurz vor unserem ersten Telefonat verstarb bereits das erst Baby. Durch meine nachfragen bzgl. Milch, Medikamente usw. kam heraus, dass die Iltise am Tag zuvor beim Tierarzt waren und der wohl mit Flubenol entwurmt hat. Der kleinste von den Dreien wog gerade mal 85 Gramm. Die Chance hier noch was reten zu können war verschwindend gering. Die Familie hat aber weiterhin versucht die beiden letzten zu retten. Aber wie befürchtet sind alle gestorben. Die Familie hat sich unendliche Vorwürfe gemacht. Ich kann nicht
oft genug davor warnen: Entwurmung für Marderbabys ist tödlich !!!!

Blinde Marder
Leider gab es in diesem Jahr sehr viele Blinde und Schlechtsichtige Marder. Bis auf ein paar ungeklärte Fälle sind alle anderen durch falsche Aufzucht in diese Situation gekommen.
Die 2 Mardermädchen "Nina & Nora" wurden über Wochen mit viel zu dünner Aufzuchtmilch gefüttert. Der dadurch entstandene Calciummangel führte dazu, dass die Netzhaut nicht richtig ausgebildet wurde. Die beiden kamen über viele Umwege zu mir. Beide bekamen sofort eine Calciumkur mit Schüsslersalzen und einigen Nahrungsergänzungen. Bei Nina konnte ich so rechtzeitig zur Auswilderung noch das Augenlicht retten. Nina ist inzwischen erfolgreich ausgewildert. Nora - sie war die schwächere von beiden - ist immer noch bei mir. Ob sie 2011 ausgewildert werden kann steht noch nicht fest. Allerdings sieht sie inzwischen wesentlich besser und ich habe noch Hoffnung.
Leider gab es einige Unbelehrbare, die trotz meiner Warnungen weiter auf ihrer Schiene fuhren. So z.B. ein Tierheim, dessen Leiterin weiterhin Ziegenmilch vom Supermarkt fütterte, obwohl bereits erste Anzeichen von Calciummangel erkennbar waren. Sowas ärgert mich unendlich, da es die Tiere sind die es büsen müssen.

Besondere Fälle:

"Smoodoo"
Eigentlich ist diese Geschichte viel zu lang um erzählt zu werden. Aber ich versuch es in Kurzform:
Anfang Juli 2010 wurde Ruth (Marderhilfsnetz-Zweigstelle Österreich) zu hilfe gerufen, weil ein Marderkind seit Tagen zusammengerollt auf einer Terrasse lag. Ruth konnte den kleinen Marderbub gerade noch rechtzeitig zu sich holen. Sein Hinterbeinchen war verletzt - in der Fleischwunde tummelten sich bereits einige Maden. Er war mit Zecken übersät und ausgetrocknet. Es begann ein Kampf um Leben und Tod für den Kleinen. Ein Besuch beim Tierarzt, Infusionen und lange Nächte mit 10-minütigen Schüsslersalzengaben und gaaaaanz viel Liebe konnten "Smoodoo" wie er inzwischen hieß, das Leben retten.Eine glücklcihe Familie
Aber damit nicht genug ! Er wurde wieder fit und konnte inzwischen auch schon im Garten erste Ausflüge machen. Die meiste Zeit schlief er auf der Terrasse ... doch eines Tages ... Smoodoo war verschwunden. Alle Versuche ihn zu finden scheiterten. Er war aber noch nicht fit genug um da draußen zu überleben zumal er nach den Medikamente (die waren aufgrund seiner Verletzungen leider nötig) noch nicht genug entgiftet war. Er bekam gelegentlich Krampfanfälle, die ihm da draußen gefährlich werden konnten.
Nachdem Smoodoo bereits eine Woche verschollen war, war Ruth zufällig im Nachbarort zum einkaufen. Kaum zu glauben, aber an der Scheibe des Supermarktes hing ein Foto von Smoodoo mit dem Text: Zahmer Marder zugelaufen ! Ruth stellte sofort den Kontakt her und fuhr zu den Findern. Die Geschichte die sie da zu hören bekam war unglaublich. Smoodoo verursachte einen kleinen Autoblechschaden, indem er gemächlich über eine Autobahnausfahrt maschierte. Die Frau, die dabei bremsen mußte um das Tierchen nicht zu überfahren nahm Smoodoo mit nach Hause, nachdem er immer noch am Straßenrand saß, während die Polizei den Unfall aufnahm. Der Polizist ermutigte die Frau: Nehmen sie den doch mit, bevor der noch weitere Unfälle verursacht. Die Leute kümmerten sich nach ihrem besten Wissen um Smoodoo und hängten schließlich das Foto aus. Da der kleine Kerl wegen der Verletzung immer noch Blauspray am Beinchen hatte und relativ zahm war, wußten sie, dass er irgendwo gepflegt wurde.
Smoodoo ist wieder zuhause. Vermutlich muß bzw. darf der kleine Kerl auch für immer bei Ruth bleiben. Inzwischen hat sich herausgestellt, dass er an Epilepsie leidet. Unzählige Untersuchungen inkl. CT, Röntgen uvm. haben keinen Aufschluß über seine Erkrankung gegeben. Smoodoo bekommt lebenslang Medikamente gegen die Anfälle führt jetzt ein ruhiges aber sehr liebevolles Leben bei Ruth und ihrer Familie.

"Ferdi" ...

Marderkind nach der OP
... hat es im Frühjahr schlimm erwischt. Genauer gesagt hat ihn eine Katze erwischt und schlimm zugerichtet. Vom Gesicht war kaum mehr etwas zu erkennen, die Nase war fast weg und der Nasenrücken bis zum Schädel war offen und zersplittert. Ferdinand hatte Glück im Unglück und wurde bei einer beherztenTtierärztin und ihrem Team abgegeben. Dort wurde der kleine Marderbub Stück für Stück zusammengenäht und aufgepeppelt. Schließlich wurde aus Ferdi langsam aber sicher ein lebensfroher "Jugendlicher", der toben und spielen wollte. Das Team wurde auf uns aufmerksam und bat um Hilfe. In dem Fall wußte ich sofort, der muß direkt zu mir - hier ist Fingerspitzengefühl angesagt, zumal die Nase von Ferdi immernoch nicht zugewachsen war und hier noch viel Medizin und Pflege nötig war. Ferdi wieder gut erholtIch begann erstmal Ferdi zu stabilisieren. Eine Entgiftung und Entsäuerung war ebenfalls nötig, da die Narkosen und Antibiotikas sonst einen immensen Leberschaden nach sich gezogen hätten. Ferdi bekam auch schnell Gesellschaft von 2 süßen jungen Marderdamen (Nina und Nora), die ebenfalls zu mir in Pflege kamen. Schnell wurde die Gruppe lustig und munter, doch leider wollte Ferdi's Nase nicht heilen. Weitere chemische Keulen hätte er zu dem Zeitpunkt nicht vertragen, deshalb beschlossen wir ihn erstmal psychisch und körperlich erholen zu lassen und haben ausschließlich mit Schüsslersalzen seinen Stoffwechsel und sein Immunsystem aufgewertet. Im November bekam er nochmal eine Antibiotikakur, um eine gemeine Bakterie zu vernichten, die für die fehlende Wundheilung zuständig war. Leider verschloss sich die Wunde trotzdem nicht - immerhin fehlen ihm da diverse Knochenteile, was immer wieder zu kleinen Eiterungen, Röcheln und Niesen führt. So sind wir weiterhin auf Suche nach der passenden Heilmethode. Die letzte Instanz ist eine erneute OP. Ferdi bleibt bis zur vollständigen Genesung bei mir. Schlimmstenfalls wird er nicht Auswilderungsfähig sein - aber auch dann gibt es eine Lösung. Er ist lustig und freut sich des Lebens - das allein zählt ! Falls er wieder ganz gesund wird, suchen wir nach einem passenden Auswilderungsplatz, wo er langsam und mit viel Liebe an die Natur gewöhnt werden kann.

Nina und Nora2 fast blinde Mardermädchen
Die beiden Mädchen wurden mit falscher Milch aufgezogen. Das hab ich aber erst viel zu spät erfahren. Als die Leute sich meldeten, war bereits klar, dass sie dort nicht bleiben konnten. Deshalb hab ich auf Wunsch der Leute schnell einen Platz gesucht und auch gefunden. Gleich am folgenden Wochenende wollten die Leute die beiden dort hin bringen. Alles war geklärt und jetzt noch weiter in Sachen Aufzucht zu unterrichten war nicht nötig. An der künftigen Aufzucht- und Auswilderungsstelle (einem Wildpark) waren alle nötigen Kenntnisse vorhanden.

Routinemässig telefonierte ich nach einer Woche mit dem Wildpark, um zu erfahren wie sich die Mädchen eingelebt hatten. Doch ich erfuhr, dass die Leute bisher noch keine Zeit hatten die beiden zu bringen. Als ich dann erneut die Dringlichkeit klar machte, wurden die beiden endlich zum Park gebracht. Da kam das große Erwachen. Der Pfleger rief mich an und erzählte mir über den Zustand der Beiden. Sie waren fast nackt, abgemagert und das bischen Fell war fast weiß. Ich telefonierte sofort mit den Leuten, welche mir dann erklärten, dass sie ja nicht wußten wie normale Marder auszusehen haben. Obendrein bekamen die Beiden eine Milch, die mit 1:5 mit Wasser gemischt wurde. Calciummangel !!! Aber so extrem, dass der Wildpark total überfordert war. Hier wären einige Akutkuren und genaue Instruktionen nötig gewesen. Außerdem war dort bereits ein gesunden Mädchen, das dringend Gesellschaft gebraucht hat. So schnell es ging haben wir einen Transport organisiert und über sieben Ecken die Mädchen mit 2 gesunden Marderchen ausgetauscht. Bei dieser Aktion waren 5 Personen und ca. 1000 km Fahrstrecke nötig. extreme Mangelsymptome

Ich begann sofort mit einer Akutkur und fütterte die Mädchen erstmal ordentlich. Küken kannten sie bis dahin noch nicht. Es dauerte etwas bis sie auf den Geschmack kamen. Es dauerte viele Wochen, bis endlich das Fell wuchs und die beiden an Gewicht zulegten. Calciumzugaben, Amynin, diverse Schüsslersalze und Orthokapseln waren nötig um den Stoffwechsel wieder in Gang zu bekommen. Es war fast zu erwarten, das so ein starker Mangel Folgen nach sich zieht. Aber es kam ganz hart : Beide waren Blind !! Es war genau die Wachstumsphase, in der sich die Iris und das Sehvermögen ausbildeten als sie zuwenig Nährstoffe und Calcium bekamen. Die nächsten Wochen waren entscheidend ! Können wir das Augenlicht noch retten ? Wir taten alles was möglich war um das zu erreichen. Nina war die Kräftigere - sie erlangte das Augenlicht zu 90 % wieder. Das reichte aus um sie im August mit einem anderen Marder auszuwildern. Aber Nora machte langsamere Fortschritte. Da ja auch Ferdi noch bis zur Genesung bleiben mußte, war es für alle ok, dass Nora mit Ferdi erstmal hier bleibt. Inzwischen sieht sie schon ein bischen besser - vermutlich sogar schon 60 %. Aber zum auswildern reicht das noch nicht. Mit etwas Glück können die Beiden aber 2011 zusammen ausgewildert werden. Da Ferdi und Nora jedoch bis dhin sehr lange in Menschenhand waren, ist hier ein besonderer Platz nötig. Aber die Gedanken machen wir uns wenn es soweit ist. Die Beiden lieben sich sehr und dürfen bleiben solange es nötig ist.

Auf dem rechten Foto sind die beiden mit einem gleichaltrigen Mardermädchen zu sehen. Hier werden die Unterschiede sehr deutlich. Nora wird immer sehr scheu und ängstlich bleiben. So eine Fehlernährung hat Auswirkung auf das gesamte Leben.

Was wir nächstes Jahr anders machen:

Leider sind, wie jedes Jahr, sehr viele Anrufe, die einfach nur extrem viel Zeit rauben, da die Beantwortung der meisten Fragen bereits auf unserer Homepage stehen. Deshalb gibt es ab 2011 eine Notfallsprechstunde zu bestimmten Tageszeiten. Natürlich ist die Beratung weiterhin kostenlos. So rufen vielleicht wirklich nur die an, die einen echten Notfall haben. Wir möchten gerne jedem helfen, aber wenn das Telefon ständig besetzt ist, weil wieder jemand nachfragt ob er dem Marderbaby Kuhmilch geben kann, bleiben die echten Notfälle auf der Strecke. Die e-Mails und das Forum werden während der Hauptsaison unzählige male abgefragt und beantwortet. Deshalb bitte: Telefon nur für die Notfälle !

Marder-Oskar 2010:

Nele
Nele hat 2010 auf sich aufmerksam gemacht, indem sie immer wieder ihre Hilfe für Problemmarderchen angeboten hat. Leider mußte Nele etwas erleben, das uns alle sehr getroffen hat. Ein Mardermädchen in einem sehr kleinen Käfig. Ihr Schwanz war schon fast abgebißen - so schlimm war die Psyche dieses Tieres bereits betroffen. Dabei wurde die kleine wohl per Hand aufgezogen. Dann aber bei einer Frau in Obhut gegeben, die keinerlei Interesse an dem Marderchen hatte. Wir wollten eingreifen ! Als Nele dann erneut dort hin fuhr um das Mädchen zu retten, erlebte sie einen Alptraum: Die Frau war im Urlaub. Eine Bekannte, die ihre Katzen füttern sollte wußte nichtmal dass im Garten noch ein kleiner Käfig mit dem Mardermädchen stand. Nele überzeugte die Frau (mit Androhung von Polizei) ihr den Weg zum Garten freizugeben. Dort angekommen fand Nele das Mardermädchen in einer Erdkuhle liegend, bei ca. 30 Grad - eine umgekippte Wasserschüssel lag daneben - Das Mädchen war verdurstet !!!

Was Nele hier ertragen mußte, verdient absolut meinen Respekt. Ich weiß nicht, ob ich das bischen Hoffnung in die Menschheit hier nicht entgültig verloren hätte. Doch Nele macht weiter im Namen der Tiere - Danke dafür !!!

Es gibt sicher Menschen, die jetzt sagen "war doch nur ein Marder". Aber wenn Menschen dazu fähig sind, so ein kleines Tierchen so schrecklich sterben zu lassen, müssen wir uns nicht wundern wenn die Schlagzeilen berichten: "Nashörner und Elefanten vom Aussterben bedroht", "Tiger & Jaguare für Chinas Potenz geschlachtet", "Mutter lies ihr Baby verhungern", "1000de von Haien für Potenzmittel getötet", "Regenwälder schrumpfen", "Ozonschicht wird dünner", uvm.

Um den Satz von Herrn Sarazin noch zu verschärfen: "Die Menschheit vernichtet sich selbst !" 

So trägt man Pelz

 

Marderhilfsnetz  •  Copyright © 2015 by Karin Amann